Ausgabe 03/2016

Obwohl die Europäische Zentralbank tagtäglich mehr Geld in Umlauf bringt, Bilanzsummen und Geschäftsvolumina in den Banken und Unternehmen steigen, ist Geld ein knappes Gut. Wo man hinhört, heißt es: „Wir würden ja gern, haben aber kein Budget“. Vor allem die regionalen Museen leiden unter dem Spardiktat der öffentlichen Hand. Als Deutschlands berühmtester Maler Gerhard Richter – eine Schau seiner Werke läuft noch bis 6. November in der Augsburger Galerie Noah – Anfang des Jahres einen offenen Brief schrieb, schloss er sich einer gro- ßen Protestwelle an. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hatte Leverku- sens Oberbürgermeister vorgerechnet, dass durch die Auflösung des Museums Morsbroich ein jährlicher Betrag von 778.450 Euro eingespart werden könne, um die verschuldete Stadt zu sanieren – Augsburg lässt mit den zuletzt ad acta gelegten Kostenszenarien zum Kippen der Welterbe-Bewerbung schön grüßen.

Leverkusen zeigt: Es gibt keine Denkverbote mehr, wirtschaftliche Überlegungen hoch über die Kultur zu stellen, die eine Stadt, eine Region erst lebenswert macht. Man mag hoffen, dass auf der Suche nach Einsparpotenzialen niemand auf die Idee kommt, Albrecht Dürers Porträt von Jakob Fugger dem Reichen aus der Staatsgalerie Alter Meister in Augsburgs Katharinenkirche abzuhän- gen und bei Sotheby‘s für ein paar Milliönchen zu versilbern. Schließlich steht das Fuggerporträt wie kein zweites Symbol für den Erfolg, die visionäre Kraft und Durchsetzungsstärke, zu der ein Schwabe fähig sein kann – Werte, auf die man sich in der Region in Zeiten klammer Kassen durchaus besinnen sollte.

Darum stand Dürers Fugger, den er während des 18. Reichtags um 1518 in Augsburg malte, als Titelmotiv für unser Schwerpunktthema „Geld und Fi- nanzen“ Pate und wurde nicht ohne Grund mit der Signalfarbe Rot hinterlegt. Denn die Niedrigzinspolitik bringt die Regionalbanken in Gefahr (Seite 16), die Kommunen schwimmen in allem anderen als in Geld, investieren jedoch so gut es geht in Bäder (Seite 32). Mangels nanzieller Möglichkeiten fristet im Allgäu ein kulturelles Kleinod im Dornröschenschlaf: Der Gasthof Adler in Großholz- leute bleibt auf absehbare Zeit geschlossen, trotz ruhmreicher Vergangenheit, in der sich Günter Grass und die Gruppe 47 hier die Klinke in die Hand gaben.

Themen im Heft
EnergieKulturzentrum Gaswerk Augsburg
Alarmstufe Rot für Schwabens Banken
Zwiebelspalten, Kochköpfe, Chefetage
und vieles mehr

Das Inhaltsverzeichnis als PDF gibt es hier

 

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