„DAS ,EHRENAMT‘ IST DER TÄTSCHELVEREIN, WO SICH DER BÜRGERMEISTER DAS ANSEHEN VERBESSERT.“

„Heimat ist nicht Abgrenzung, sondern Ursprung“, so die Überzeugung von Karl Stiefenhofer, langjährig als Vorsitzender des Heimatbundes Allgäu aktiv. Ein Gespräch über ehrenamtliches Engagement.

Karl Stiefenhofers Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren, war es, junge Menschen zu begeistern. / Bernd Hohlen /

Karl Stiefenhofer, 70, ist einer, der das Ehrenamt kennt. 24 Jahre war er Vorsitzender des Heimatbundes Allgäu e. V. in Kempten, bevor er diesen Sommer verabschiedet wurde. Geboren wurde er im württembergischen Eglofs, durch das die bayerisch-württembergische Landesgrenze verläuft. Je undurchlässiger eine Grenze ist, desto mehr denkt der Mensch über das Trennende nach, sehnt sich nach Gemeinsamkeit und Geborgenheit.

Die Frage wie das Trennende überwunden werden kann, erlebte Karl Stiefenhofer schon als kleiner Junge, als die Flüchtlinge, die 1945 ins Dorf kamen, am Leben teilhaben wollten. Ein schwieriger Prozess – und gleichzeitig einer der Gründe, die Karl Stiefenhofer dazu bringen sollten, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Stiefenhofer erinnert sich an die Zeit nach dem Weltkrieg, als er mit Flüchtlingskindern zur Schule ging: „Mein Vater sagte: ,Engerling, Schmetterling, Flüchtling. Plötzlich kamen Leute mit blonden Haaren, deren Haut rot wurde, wenn sie in der Sonne waren. Mit einer anderen Sprache und einer anderen Religion. Sie waren Fremde und der Mensch hat die Neigung, allem Fremden mit Vorsicht zu begegnen, weil das Unbekannte Angst macht. Aber das Unbekannte kann überwunden werden, nur so kann eine Entwicklung stattfinden“, beobachtet der langjährige Vorsitzende des Heimatbundes. „Heimat hat ganz stark mit Öffnung zu tun. ‚Engerling, Schmetterling, Flüchtling‘ – misstrauisch beäugt, geht die dritte Generation der ehemaligen Flüchtlinge lachend, mit allen anderen von der Schule nach Hause. Es braucht Geduld. Heimat ist nicht Abgrenzung, sondern der Ursprung für Gemeinsinn. Dieser ist das Urelement der Gesellschaft, in dem Vorgänge stattfinden, bei der man eine emotionale Bindung an eine Idee bekommt, etwas beizutragen für ein Gesamtwerk. Das ist für die Entwicklung der Menschen wichtig.“

Mit dem Begriff selbst, etwas für das Gemeinwohl zu tun, tut sich Stiefenhofer schwer: „Das ‚Ehrenamt‘ ist der Tätschelverein, wo sich der Bürgermeister im Lichte des Ehrenamtes sein Ansehen verbessert. ‚Ehrenamt‘ ist als Begriff zu wenig und wird manchmal belächelt. Da schaffen Leute für wenig oder gar kein Geld, also ist es nichts wert. Sogar im Gemeinderat arbeiten bei uns Leute ehrenamtlich. Dann heißt es: Die haben Spaß, man hört sie doch lachen in ihren Gemeinderatssitzungen. Ihre Arbeit sieht man nicht. Deswegen ist ‚Ehrenamt‘ keine korrekte Bezeichnung für mich. Und das Ehrenamt in den Vereinen erst, da tut sich doch eine ganze Parallelwelt auf, die stärkere Reputation erfahren sollte und viel mehr Anerkennung.“

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in der top Schwaben Ausgabe Nr. 71