UND PLÖTZLICH WAREN ES NUR NOCH SIEBEN

Die Sparkasse in Günzburg schließt sich vollkommen überraschend der Sparkasse Schwaben-Bodensee an. Man fragt sich, warum?

Die Anzahl der eigenständigen roten „S“ werden aller Voraussicht nach rückwirkend zum 1. Januar 2024 weniger: Mit der Fusion wird die Sparkasse Günzburg-Krumbach noch in diesem Jahr Geschichte sein.

Es ist eine Fusion, die nicht unbedingt zu erwarten war. Im Eiltempo rückwirkend zum 1. Januar 2024 will sich die verhältnismäßig kleine Sparkasse Günzburg-Krumbach der großen Schwester in Memmingen anschließen. Dabei bleiben viele Fragen offen.

In der Sparkassenwelt hat ein Spruch Tradition. Nämlich der, dass man sich „auf Augenhöhe“ begegne. Das galt bislang vor allem auch bei Fusionen. Man erinnere sich an die letzten 30 Jahre: In den 1990er-Jahren schlossen sich innerhalb ihrer Landkreise viele ähnlich große Sparkassen zusammen: Neu-Ulm mit Illertissen, Günzburg mit Krumbach, Donauwörth und Oettingen, dann 2001 weit über die Kommunalgrenzen hinaus Kempten mit Sonthofen-Immenstadt und der Sparkasse Ostallgäu. Fast gleichzeitig fusionierten damals in ungewöhnlicher Konstellation die Sparkassen Memmingen und Mindelheim mit der nicht angrenzenden Sparkasse im relativ weit entfernten Lindau. Diese neu formierte Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim war es auch, die 20 Jahre später wiederum einen überraschenden Coup bekannt gab: die neuerliche Erweiterung um das Gebiet der Kreissparkasse Augsburg. Damit war die Sparkasse Schwaben-Bodensee geboren, deren Geschäftsgebiet aktuell von Nordendorf, fast bei Donauwörth, bis ins 203 Straßenkilometer entfernte Lindau reicht. Nun gab letztere gemeinsam mit der Sparkasse Günzburg-Krumbach Fusionsabsichten bekannt, bei der allerdings von „Augenhöhe“ kaum mehr die Rede sein kann. Rückwirkend zum 1. Januar 2024 wird das Geschäftsgebiet der in Geschäftszahlen viermal größeren Sparkasse Schwaben-Bodensee nochmals
wachsen: um das Gebiet des Landkreises Günzburg. Deren Sparkasseninstitut wird dann Geschichte sein, womit nur noch sieben Sparkassen im Gebiet Bayerisch-Schwaben ihren Sitz haben.

Damit platzt endgültig eine Idee, mit der man entlang des schwäbischen Donautals immer wieder geliebäugelt hatte. Nämlich mit dem Gedanken, mit einer gemeinsam aus Neu-Ulm, Günzburg, Dillingen und Donauwörth geschaffenen „Donau-Sparkasse“ mit rund 8,5 Mrd. Euro Bilanzsumme den beiden großen, starken Sparkassen Allgäu und Schwaben-Bodensee im Süden des Regierungsbezirks wie auch der Stadtsparkasse Augsburg ein Institut entgegenzusetzen, das eine ähnliche Größe und Marktbedeutung gehabt hätte wie die drei anderen großen schwäbischen Institute mit dem markanten roten Sparkassen-S.

Dazu muss man wissen, dass ein erster Anlauf bereits 2016 krachend scheiterte. Mit fast identischen Mitarbeiterzahlen und Bilanzsummen haben die Verwaltungsräte der Sparkassen Günzburg-Krumbach und Neu-Ulm – Illertissen seinerzeit der Aufnahme von Sondierungsgesprächen „grünes Licht“ gegeben. Es wäre „ein Zusammenschluss unter Gleichen“ gewesen, wie seinerzeit der Verwaltungsratsvorsitzende und Neu-Ulmer Oberbürgermeister Gerold Noerenberg erklärte. Auch der Name für das neue Institut war schon gefunden: Sparkasse Westschwaben sollte die Einheit heißen, die damit auch der erste Schritt zu einer „Donau-Sparkasse“ hätte werden können. Doch es kam anders: Die Günzburger Zeitung machte zur Zeit der Verhandlungen den Posten des Vorstandsvorsitzenden eines fusionierten Instituts zum Thema und torpedierte die laufenden Gespräche mit Stimmung gegen den Neu-Ulmer Sparkassen-Chef. Was in der sonst sehr auf Zurückhaltung bedachten Bankenwelt heimlich, still und leise hinter verschlossenen Türen erörtert und vollzogen wird, war damit in der Öffentlichkeit – mit dem Ergebnis, dass die Fusion peinlicherweise für alle Beteiligten platzte.

Doch aktuell hätten die Karten neu gemischt werden können. Im Sommer 2024 scheidet der Neu-Ulmer Vorstandschef Dr. Armin Brugger aus Altersgründen aus dem Amt. Der kommende Vorstandsvorsitzende Oliver Haecker wie auch Vorstandsmitglied Bernhard Fäustle sind deutlich jünger und von den 2016er Vorkommnissen gänzlich unbelastet. In Günzburg hat bereits 2018 der in Dillingen gebürtige und damals 39-Jährige Daniel Gastl den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Walter Pache beerbt. 2022 wurde der 43-jährige Martin Jenewein zum Vorstandsvorsitzenden der mit Nördlingen fusionierten Sparkasse Dillingen berufen – eine komplett neue Führungsgeneration, die mit dem 59-jährigen Donauwörther Sparkassenchef Johann Natzer (er ist dort seit 2005 Vorstandsvorsitzender) gemeinsam die Weichen in Sachen „Donau-Sparkasse“ hätte stellen können.

 

In Memmingen wird Gastl Vorstandschef der viertgrößten bayerischen Sparkasse

 

Der Gedanke an eine einzige Sparkasse entlang der rund 70 Kilometer langen Strecke donauabwärts von Neu-Ulm bis Donauwörth war 2023 wieder häufiger zu hören – bis Daniel
Gastl jetzt vollkommen überraschend einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat. Der wird ihn in Richtung Memmingen bis an die Spitze der dann viertgrößten bayerischen Sparkasse mit 99 Geschäftsstellen, ca. 12 Mrd. Euro Bilanzsumme und ca. 1.400 Mitarbeitenden führen, worüber man in der Sparkassenorganisation von Anfang an ziemlich sicher war – auch wenn man zuerst so getan hat, wie wenn die Entscheidung offen wäre. „Wenn Daniel Gastl nach dem Ausscheiden des jetzigen Vorstandsvorsitzenden Thomas Munding im November 2024 nicht die Nr. 1 in der fusionierten Sparkasse würde, hätte er definitiv etwas falsch gemacht“, sagen unisono langjährige Führungskräfte schwäbischer Sparkassen, die in diesem Zusammenhang jedoch nicht namentlich zitiert werden möchten – auch, weil die Fusionspartner im Memmingen und Günzburg diese Entscheidung noch bis kurz vor Redaktionsschluss als „offen“ beschrieben. „Etwaige Zusicherungen im Vereinigungsvertrag wurden nicht getroffen“, teilte die Sparkasse Günzburg-Krumbach dazu mit. Erst in der letzten Februarwoche wurde bekannt gegeben, dass Gastl am 1. Dezember 2024 zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigt.

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in der top schwaben Ausgabe Nr. 85