Ausgabe 62

Bis vor wenigen Jahren beschworen die Sparkassen und VR-Banken das Regionalprinzip. Der Gedanke war, dass das Geschäftsgebiet einer Kreditgenossenschaft oder Sparkasse im Allgemeinen das Gebiet ihres kommunalen Trägers umfasst. Das sollte sicherstellen, dass die Institute nicht untereinander in der jeweiligen Bankengruppe in Wettbewerb treten.
Dieses Regionalprinzip war das, was Werbefachleute einen USP nennen – ein Alleinstellungsmerkmal, das VR-Banken gern mit „Für Sie. Vor Ort.“ oder Sparkassen mit „Gut für die Region.“ in den Mittelpunkt rückten. Dabei war das Regionalprinzip immer auch ein prägendes Ordnungsprinzip. Wie der Wirkungskreis der Mitglieder war auch der Wirkungskreis einer VR-Bank oder Sparkasse lokal oder regional beschränkt, was der Beziehung Kunde-Bank Halt gegeben hat.
Die Zeiten lokaler Verankerung scheinen nun endgültig vorbei, das Regionalprinzip wird als Folge dynamischer Veränderungen im Finanzdienstleistungssektor von den Instituten selbst geopfert. Jüngstes Beispiel sind die Fusionspläne der Augusta-Bank eG Raiffeisen-Volksbank und der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu. Über sechs Landkreise in zwei Regierungsbezirken und zwei kreisfreie Städte erstreckt sich das zukünftige Geschäftsgebiet über fast 150 Straßenkilometer vom Nordosten bei Aichach bis in den Südwesten Schwabens am Fuße der Alpen, nach Pfronten.
Interessant ist dabei, dass den bislang so wichtig eingeschätzten lokalen Befindlichkeiten in Aichach, Augsburg, Kaufbeuren und im Allgäu geschäftspolitisch kaum mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Man sucht Ertragslösungen, weil Kostendruck, Digitalisierung und behördliche Regulierungswut die Margen drücken. Und weil es verlockend ist und stimmt, dass es technisch vollkommen egal ist, eine Filiale in NYC, Hongkong oder eben in Pfuhl oder Pforzen zu betreiben… Warum also nicht in größeren Kategorien denken? Die einfache Antwort: Weil  das wertvolle Lokalkolorit auf der Strecke bleibt. Die Nähe, die Beziehung, das Kennen der Kunden. Und damit auch das Alleinstellungsmerkmal einer regionalen Bank.
Mehr zur Fusion der VR Bank Augsburg – Ostallgäu, zum doppelten Hessing-Jubiläum, zum Notstand in schwäbischen Kreißsälen, zum Denkmalpreis des Bezirks Schwaben, zu sommerlichen Kultur- und Ausflugszielen und zum Augsburger Textilviertel samt Schlachthofquartier in diesem Heft.
Das Inhaltsverzeichnis als PDF gibt es hier.

 

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