WÖRISHOFEN FEIERT 100 JAHRE ERNENNUNG ZUM BAD

Wörishofen feiert 100 Jahre Ernennung zum Bad. Wie die Stadt mit dem Erbe von Pfarrer Sebastian Kneipp umgeht.

An der Fassade des Bad Wörishofer Kinos erinnert eine Gedenktafel an Rainer Werner Fassbinder. Geboren 1945 in Bad Wörishofen, gestorben 1982 in München. Das Enfant terrible des deutschen Kinos, der Revoluzzer unter den Filmemachern ist ausgerechnet in Bad Wörishofen geboren, dort wo die Beschaulichkeit von Pfarrer Kneipps heiler Welt über den Wipfeln der alten Bäume im Kurpark ruht!

Zugegeben, es war eher Zufall. München lag nach Kriegsende 1945 in Schutt und Asche, werdende Mütter wurden deshalb in Entbindungsanstalten im Umland gebracht. Ein solches Geburtshaus befand sich in Bad Wörishofen und dorthin kam Fassbinders Mutter im Mai 1945, brachte hier ihr Kind zur Welt und kehrte fünf Wochen später nach München zurück.

Sebastian Kneipp, der bekannteste „Sohn der Stadt“ ist hingegen nicht in Bad Wörishofen geboren, sondern in dem kleinen Weiler Stephansried, der heute zur Gemeinde Ottobeuren gehört, 25 Kilometer westlich von Wörishofen. Aber er hat Wörishofen geprägt. Von 1855 bis 1897 wirkte er hier, entwickelte zunächst als Beichtvater der Ehrwürdigen Schwestern vom Orden der Dominikanerinnen in der Abgeschiedenheit des örtlichen Klosters und seit 1881 als Ortspfarrer ein ganzheitliches naturheilkundliches Konzept. Ohne Kneipps Lehre wäre Wörishofen weder Bad noch Stadt geworden, sondern wahrscheinlich ein abgelegenes Bauerndorf geblieben. Und ob ohne Pfarrer Kneipp in Fassbinders Geburtsurkunde Bad Wörishofen gestanden hätte?

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in der top Schwaben Ausgabe Nr. 69