KULT, KOMMERZ UND EIN LEBENDIGES ERBE

Augsburg feiert ein Gedenkjahr zu Ehren Jakob Fuggers. Zu dessen 500. Todestag am 30. Dezember zelebriert Bischof Dr. Bertram Meier einen Gottesdienst in der Fuggerkapelle von St. Anna.

Die Fuggerei ist das wohl bekannteste Denkmal an Jakob Fugger, „den Reichen“: Fürbitten der Bewohner sollten die Qualen des Stifters im Fegefeuer verkürzen. / Wikimedia Commons /

Früh am Morgen des 30. Dezembers 1525 soll Jakob Fugger verstorben sein. Mit dem Mann, dem Zeitgenossen bereits den Beinamen „der Reiche“ gegeben hatten, „starb der hervorragendste Handelsherr der deutschen Frührenaissance und wahrscheinlich der reichste Mann seiner Zeit“, wie Historiker später feststellen sollten.

500 Jahre nach dem Tod Jakob Fuggers erinnert dessen Heimatstadt Augsburg in einem Gedenkjahr an den Handelsherrn, Bankier und Montanunternehmer – und dem bekanntesten Namen der Stadt – nicht nur in zahlreichen Veranstaltungen, sondern auch an die Orte in Augsburg, die mit dem Namen Fugger in Verbindung gebracht werden (siehe Seite gegenüber).

Fugger, der in einer äußerst dynamischen Zeit an der Schwelle vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit lebte, als Globalisierung und Kapitalismus ihren Anfang nahmen und die Reformation um Martin Luther soziale und religiöse Unruhen und den Aufstand der Bauern, Handwerker und kleinen Leute auslöste (wir berichteten in unserer Frühjahrsausgabe Nr. 89 ausführlich), erlebte diese Zeit nicht nur mit. Er gestaltete als Finanzier, Mäzen und Stifter diese Zeit politisch, wirtschaftlich und kulturell aktiv mit. So ist er noch heute berühmt dafür, mit Krediten Kaiser und Päpste mitfinanziert zu haben. Geschäftlich nutzte er für sein Wirtschaftsimperium Handelswege in den Süden und Osten und in die eben entdeckte die „Neue Welt“. Er setzte in der Freien Reichsstadt Augsburg bis heute sichtbare Zeichen, allen voran mit der weltberühmten Sozialsiedlung Fuggerei, wo bis heute unterstützungsbedürftige katholische Bürger für die Jahreskaltmiete von 0,88 Euro leben dürfen, sofern sie täglich drei Gebete für den Stifter und dessen Familie sprechen.

Der wohl prominenteste Augsburger aller Zeiten war auch jemand, der einzuschätzen wusste, dass der eigene gute Name als bekannte Marke unbezahlbar ist, wie in Augsburgs RegioMagazin zum Gedenkjahr nachzulesen ist: „Die Prominenz dieses Fuggers ist nicht einfach so entstanden. Er war ein genialer PR-Stratege und Selbstvermarkter, weit über sein irdisches Dasein hinaus.“ Er ließ 1518 als einer der ersten eine Münze mit seinem Konterfei prägen, ein frühes „Selfie aus Silber“. Er ließ bei Albrecht Dürer – dem bedeutendsten deutschen Maler seiner Zeit – ein Porträt von sich anfertigen. Er stiftete die 1518 geweihte Fuggerkapelle in St. Anna, wo sowohl der Stifter selbst als auch zwei Neffen in der Gruft unter der Kapelle bestattet wurden. Als sich in St. Anna die Reformation durchsetzte und die Kirche protestantisch wurde, wurde die Grablege für die altgläubigen Fugger inakzeptabel, was zu einem Kuriosum führte: In der protestantischen Kirche befindet sich bis heute die katholische Fuggerkapelle. Dort wird am 500. Todestag des Stifters der Augsburger Bischof Bertram Meier einen Gottesdienst mit musikalischer Begleitung zelebrieren.

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in der top schwaben Ausgabe Nr. 91