Das Heimatkundliche Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau bewahrt in Weiler rund 750 historische Postkarten auf.

Bei den Stichworten „Post- und Ansichtskarten“ denken viele auch heute noch automatisch an Urlaub. Im Heimatkundlichen Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau in Weiler im Allgäu werden rund 750 solcher historischen Schätze aufbewahrt. Darüber freut sich Marina Boll, Leiterin Scheidegg-Tourismus. Sie sagt: „Die Karten erzählen vom Urlaub – und ermöglichen gleichzeitig eine spannende Reise durch die Zeit.“
Manche haben einen breiten weißen Rahmen, andere einen schmalen. Bei wieder anderen ist der Rand gezackt. Alle zeigen sie Zeichnungen und Bilder von Landschaften oder Orten – die einen bei Tag, nur wenige bei Nacht. Viele sind schwarz-weiß, einige auch farbig: Die Rede ist von den rund 750 Ansichtskarten, die im Heimatkundlichen Dokumentationszentrum aufbewahrt werden. Sie zeigen Motive aus dem ganzen Landkreis – angefangen von Hergatz über Lindau bis Weiler. Auf manchen sind Menschen abgebildet, was auf die ungefähre Entstehungszeit schließen lässt. Auf denjenigen, die Orte am Bodensee zeigen, kann man gelegentlich auch Schiffe oder beispielsweise den Zeppelin entdecken – stolz werden die neuen technischen Errungenschaften präsentiert. Dazu gehören auch Bahndämme und beispielsweise Telefon- und Telegrafenmasten. Allesamt ermöglichen Postkarten eine spannende Reise durch die Zeit – sie haben eine lange Geschichte.
Laut Definition ist auf einer Postkarte, veraltet auch Korrespondenzkarte genannt, nicht zwangsläufig ein Bild zu sehen. Auf einer Ansichtskarte dagegen schon: Sie zeigt auf der Vorderseite das Bild eines Ortes oder einer Landschaft. Zunächst stand auf einer Ansichtskarte der handgeschriebene Text des Verfassers neben dem Bild – für die Rückseite war ausschließlich die Adresse vorgesehen. Das änderte sich 1905: Fortan standen Adresse und Text auf einer Seite. Sowohl die Post- als auch die Ansichtskarte galt als schnellere und kostengünstigere Alternative zum Brief – bis ihr Porto zum 1. Januar 2025 an das eines Briefes angepasst wurde, was für eine Welle der Empörung sorgte.
1865 führte Preußen die erste offene Sendung ein – die Vorstufe zur eigentlichen Postkarte. Darauf standen die Empfänger- und Absenderadresse – mit handschriftlich vermerktem Datum und Unterschrift des Absenders. Der restliche Text musste gedruckt sein. Vier Pfennig kostete die damals „offene Sendung“. Kritiker hatten zuvor ihre Sorge um die Wahrung des Briefgeheimnisses sowie der guten Sitten geäußert. Sinkende Einnahmen wurden befürchtet, zudem die „unanständige Form der Mitteilung auf offenem Postblatt“ gebrandmarkt. Offiziell als Postmittel zugelassen waren Bildpostkarten ab 1885. Nach Angaben des Museums für Kommunikation Berlin wurde die erste Postkarte der Welt aber bereits am 1. Oktober 1869 von Perg bei Linz nach Kirchdorf verschickt und diente der Abstimmung eines Besuchs im Bekanntenkreis.
Wer hat eigentlich die illustrierte Postkarte erfunden?
Doch wer hat die illustrierte Postkarte erfunden? Das sei bis heute umstritten, schreibt Katharina Krause in einem Aufsatz für die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
„Vermutlich fand sie erste Vorbilder in den weit verbreiteten Bilderbögen und privat gedruckten Postkarten, die in Frankreich bereits im 18. Jahrhundert und in den Vereinigten Staaten von Amerika Anfang der 1860er-Jahre aufkamen.“
Im Gegensatz zu heute sind Bilder auf den ersten Postkarten noch nicht so wichtig – sie wurden verschickt, weil sie hinsichtlich des Portos billiger als Briefe waren und zudem schneller transportiert wurden. „Waren zuerst noch Bilder von Firmen und Sehenswürdigkeiten vertreten, entwickelte sich ab 1875 die Ansichtskarte, die verschiedene Szenen, Gebäude oder Personen zeigte“, schreibt Katharina Krause. „Um die Jahrhundertwende konnten neben Ansichtskarten mit Stadtansichten, Scherzpostkarten, Urlaubskarten, Karten mit Szenen aus dem Volksleben und Straßenszenen, Karikaturen, Gruß- und Glückwunschkarten sowie Erotica auch Karten mit aktuellen Bezügen wie Naturkatastrophen, Treffen von Politikern und Bildnissen der Fürsten und Kaiserfamilien erworben werden.“ Die Sammelleidenschaft der Menschen wurde durch Serien von Posthäusern aus der ganzen Welt, Trachten oder Wirtshäuser angeheizt.

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